Eine Geschichte

 

Hier ist Euch wiedergegeben die kurze Zusammenfassung der näheren Geschichte Kasiasoldes, erzählt von dem Barden Hederon von Esteland.  

„Und es begab sich zu einer Zeit, da lebten in einem kleinen Königreiche vergnügt und fröhlich der König, die Königin und ihr Volk, dem da angehörten unter anderem der Priester Einar und der Reon und der Woltan und als oberster Hauptmann seiner Majestät der Landolt. Und natürlich, wer möchte es verdenken, lebte am Hofe des Königs und der Königin, nennen wir sie der Einfachheit halber Kasimir und Isolde, zusammen mit seinen Eltern ihr Neffe, der Heidan von Kasiasolde.

Viele Menschen kannten sich, denn das Königreich war klein, und pflegte gar niemals einen regen Kontakt zur Außenwelt. Denn man wusste, dass das eigene Pfeifenkraut und das eigene Gerstenbier das Beste war auf der ganzen Welt. Und die Wälder, in denen das Königreich sich angesiedelt hatte (nennen wir es einfach mal nach seinem König und seiner Königin Kasiasolde), waren ohnehin die schönsten Wälder der bekannten Welt. Obwohl man ja soviel nicht kannte, aber das nur am Rande.


So lebte man so vor sich hin, empfang die seltenen Gäste mit Fröhlich- und auch Höflichkeit und akzeptierte gar die wenigen gar wunderlichen Kreaturen, die es in den Wäldern im Laufe der Jahre anzusiedeln verlangte. So starben die Geschichten, die man am Hofe und auch in der Wirtschaft sich erzählte, nie aus, und wurden gar mit jedem siedelnden Neuankömmling um zwei oder drei Geschichtchen mehr.

So erzählt man sich, dass tief in den Wäldern, fast schon an den Grenzen des kleinen Königreiches, sich die Katzen versammeln um eine Kreatur, die diesen verschmusten Tierchen genauso ähnlich war wie einem Menschen. Ab und zu, und dann gab es fast so einen großen Menschenauflauf wie bei den Menschen mit den spitzen Ohren (sie mochten es leider nicht, wenn man sie so nannte), kam dieses Wesen in die Stadt, und verkaufte die Produkte des Waldes, die es zu erzeugen in der Lage war. In Ermangelung eines anderen Namens nannte man das katzengleiche Wesen „Katze“. Wie einfallsreich – doch so waren die Einwohner dieses kleinen Königreiches. Doch eigentlich hieß das Wesen, was kaum jemand wusste, Baijaan. Und die Beiden mit den spitzen Ohren waren die Finariel und der Luthien, ihr Bruder.

 

So lebte man, glücklich und zufrieden, friedlich vor sich hin, bis schließlich eines schönen Tages folgendes geschah: Ein Mann kam in das schöne kleine Königreich Kasiasolde, ein Mann von großer finsterer Erscheinung. Schwarze Wolken wirbelten um seine faltenzerfurchte Stirn, und jeder, der den Blick dieses Mannes auch nur streifte, wurde von tiefster Angst erfasst. Blitze blitzten aus seinen Augen und Donner donnerte in seiner Stimme. Schwarz wie die schwärzeste Nacht ward sein Umhang, und weiß wie der weißeste Schnee sein Bart. Seine aus den weiten schwarzen Ärmeln hervorlugenden Finger waren lang und dürr, und fest und hart sein Schritt. Und mit dem Mann kamen die, die gebückt gingen und grün wie verfaultes Gras waren. Oder auch braun wie... na du weißt schon was. Sie stanken, und waren gekleidet in die schlechteste Kleidung, die je ein Schneider in Kasiasolde zu sehen bekam. Und sie vertrieben Kasimir und Isolde von ihren schön gezierten Thronen, und verlangten alles, was dort war in dem kleinen Königreich, für sich. Allen voran führte sie der schwarze Mann, dessen weißes Haar der weißen Unschuld Frevel sprach.

Der Hauptmann Landolt ging sofort gegen ihn und seine grünen und braunen Unholde vor, doch unterlag er mit seinem kleinen Trupp, denn nur wenige in dem Königreich Kasiasolde hatten bislang den Umgang mit dem Schwerte gepflegt. Mehrmals gelang es dem tapferen Hauptmann Landolt, andere mutige Recken um sich zu scharren, und erhob immerfort sein Schwert gegen den dunklen Mann, den man fortan nur noch Thronräuber nannte. Er ward und ist besungen von mir, dem obersten Barden des Königreichs, als der dunkelste, der widerlichste und hässlichste Fremde, der je die Grenzen unseres schönes Landes übertreten hatte.

Und somit sammelten sich auch die um den Hauptmann Landolt, die weniger gut im Kampfe warn, und doch ihr Bestes geben wollten in der Schlacht gegen den Thronräuber. Doch auch sie unterlagen einer nach dem anderen, und nicht wenige fanden einen dunklen, schmerzerfüllten Tod. Andere flohen, oder wurden in die Verbannung getrieben.

Und so, am Ende seiner Kraft, doch noch nicht bezwungen, sammelte der tapfere Hauptmann Landolt einen letzten Tross Freiwilliger wie den Fähnrich Woltan, den Reon, den Priester Einar, die Magierin Finariel und auch die anderen beiden komischen Wesen Luthien und Baijaan um sich, zog hinaus aus dem Königreich Kasiasolde, um in der weiten Ferne Verbündete und Helfer für den Kampf gegen den Thronräuber zu finden, auf dass der König und die Königin wieder aus den Verließen ihrer Burg befreit werden würden und ihren angestammten Platz auf dem Thron einnehmen könnten. Doch immer wieder kehrte er mit seinem Tross zurück und versuchte, möglichst viele seines Volkes zu befreien. Der wichtigste unter den im Kampfe Befreiten war wohl Heidan von Kasiasolde, der Neffe des Königs, der von nun an der Regent von Kasiasolde ward.“

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